Pascha ist in jedem Augenblick

Gib nie auf.
Es gibt immer Hoffnung.
Es gibt immer einen Ausweg ins Licht,
in die Fülle des Lebens,
in die Freude des Herrn,
in die Realität der Barmherzigkeit und Liebe.
Es gibt immer die Möglichkeit
zu einem neuen Leben zu erwachen.

Glaube an die Auferstehung,
so wie der Auferstandene an dich glaubt.
Lass dich verwandeln
durch die Wahrheit der Auferstehung.
Die Gnade Gottes kann und wird
alles transformieren,
wenn du Ihm diese Chance gibst.

Öffne die Tür deines Herzens
nur ein kleines bisschen
und du wirst überrascht sein,
wie viele Himmel dein Herz tragen kann.
Lass uns leben, mein Freund,
mit jedem Atemzug
in der Freude der Auferstehung.
Die Kraft von Millionen Sonnen
schläft in deinem Herzen.
Weck sie auf,
weck sie auf …

Warte nicht auf morgen.
Das Leben ist Hier und Jetzt
und Pascha in jedem Augenblick:
Licht über Licht

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 Bild: Erlöserkirche Chora/Istanbul, 1310, Anastasis

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Der ursprüngliche Mensch

„Der ursprüngliche Mensch wusste aus sich selbst, dass es Gott gibt; der gefallene Mensch weiß das nicht, er muss es lernen. Der ursprüngliche Mensch war sich stets Gottes bewusst; der gefallene Mensch muss sich – selbst wenn er gelernt hat, dass es Gott gibt – dazu zwingen, sich Gottes bewusst zu sein. Der ursprüngliche Mensch liebte Gott mehr als die Welt; der gefallene Mensch liebt die Welt mehr als Gott, er muss sich daher in Verzicht üben. Der ursprüngliche Mensch sah Gott überall, er hatte den Sinn für die Urbilder und das Wesentliche und war nicht eingeschlossen in den Gegensatz „Fleisch oder Geist“; der gefallene Mensch sieht Gott nirgendwo, er sieht nur die Welt als solche, nicht als Kundgabe Gottes. Ursprünglichkeit: das ist die Fitrah der Sufis: die wesentliche und maßgebliche menschliche Natur, geschaffen nach dem Bilde Gottes; und aus dem gleichen Grunde ist sie die Intelligenz an sich, Ausstrahlung des göttlichen Bewusstseins. Denn „Ich war ein verborgener Schatz, und Ich wollte erkannt werden, deshalb erschuf Ich die Welt“; und damit den menschlichen Geist.“ ~ Wurzeln des Menschseins von Frithjof Schuon

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Gott hält das Herz zwischen zweien seiner Finger

Ein kleiner Auszug aus einem schönen Sufibuch. Dies ist eine Erklärung für das hadith „Gott hält das Herz zwischen zweien seiner Finger“.

In der arabischen Sprache enthalten die Worte „Herz“, qalb, und „wenden“, taqallub, die gleiche Wurzel. Damit veranschaulicht das Bild von Gott, der das menschliche Herz zwischen zweien seiner Finger hält und es wendet, wie es ihm beliebt, die ureigenste Eigenschaft des Herzens: seine Ergebenheit, seine Bereitschaft, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen. Es ist das ureigenste Wesen des Herzens, von Gottes Hand gehalten zu sein und sich von Ihm nach allen Richtungen wenden zu lassen, ohne aufzubegehren.
Dieses Bild spielt auch auf die Anschauungen des Sufismus über die Verbindung von Hingabe und Freiheit (hurriyya) an: wenn das Herz sich dem göttlichen Zugriff bereitwillig überläßt, wird es von der Manipulation durch das niedere Selbst, die nafs, befreit. Paradoxerweise drückt sich diese Freiheit in einem Verlust aller Wahlmöglichkeiten aus, einem Zustand, den die Sufis folgendermaßen formuliert haben: „Darauf verzichten (bzw. aufgeben), Entscheidungen zu treffen“ – tark al-ikhtlyar.13 Abu Abd ar-Rahman as-Sulami, ein einflußreicher Meister des 11. Jahrhunderts aus Nishapur, schreibt: „Der Mensch wird kein wahrer Diener, (abd), ehe er nicht frei (hurr) wird von allem außer Gott.“

Wenn der Wille des Herzens eins mit dem Willen Gottes wird, dann akzeptiert das Herz widerstandslos, was immer Gott dem Suchenden zugedacht hat, denn „Wohin du dich wendest, da ist Gottes Angesicht“ (Koran, 2, 115). Für Theologen, Philosophen und Politiker ist die Frage der Willens- und Wahlfreiheit von grundsätzlicher Bedeutung; sie debattieren endlos über die vielfältigen, insbesondere die moralischen Aspekte des Erwerbs oder Verlustes der Wahlfreiheit. Für den Mystiker dagegen besteht das Grundproblem, mit dem er auf dem Weg konfrontiert wird, darin, wie er sich vom eigensinnigen Willen der nafs befreien kann, wie er sich von seinem Recht, angesichts des transzendenten Willens Gottes einen freien Willen zu besitzen, befreien kann. Sie erkennen schließlich, daß für ein Herz, das eine Stätte mystischer Hingabe ist, nur ein Wunsch besteht: bis zum äußersten empfänglich für den göttlichen Willen zu sein, sich einfach dorthin zu wenden, wohin Gott ihn führt. Das Bild des Herzens, das zwischen zweien der Finger Gottes gewendet wird, gibt das Auf und Ab des Herzens auf seiner Suche nach dem Einssein wieder: dadurch daß es so oder andersherum gewendet wird, wird es dazu gebracht, verschiedene Stufen (maqamat) zu durchlaufen; unbarmherzig wird es geschleudert und gewendet; es wird zwischen Gefühlen und Stimmungen hin- und hergeworfen, es durchläuft beständig Höhen und Tiefen: „Ruhelos ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir.“

Ibn al-Arabi, ein andalusischer Mystiker, der 1240 in Damaskus starb, sieht diese Fluktuation, das taqallub und das qalb, kühn und unkonventionell als Spiegelung oder Inkarnation der göttlichen Eigenschaft der Liebe, die als niemals rastende schöpferische Dynamik definiert ist. Er sagt: Nicht der Verstand oder die Sinne, sondern das Herz des Liebenden ist der Kelch der Liebe. Denn das Herz schwingt von einem Zustand in den nächsten, ebenso wie Gott – der der Geliebte ist – „täglich wirkt“ (Koran 55, 29 bzw. 30). So erlebt auch der Liebende beständige Veränderungen des Gegenstandes seiner Liebe, indem er in seinen Handlungen den beständigen Wandlungen Gottes folgt…

Die Liebe hat viele verschiedene und entgegengesetzte Eigenschaften. Daher kann nichts diese Eigenschaften aufnehmen außer dem, welches die Fähigkeit besitzt, … mit der Liebe zusammenzuschwingen, … Das vermag nur das Herz.

Hinter der Wellenbewegung und Vielfalt, die das Herz durchlebt, – in der Sufiterminologie als talwin oder tafriqa bekannt, weist die Sufilehre auf das Herz der Herzen hin, sirr, den unveränderlichen Punkt, an dem der stille Zustand des Einsseins – jam oder tamkin – unverhüllt vorhanden ist. Der Zustand von jam liegt hinter den oszillierenden Zuständen und Stationen des Herzens. Im Zustand von jam sind die polaren Zustände nicht nur versöhnt miteinander, sondern sie transzendiert. Daher erwächst aus der rastlosen Umkreisung von sirr, diesem geheimnisvollen Kern des Seins, wenn man sie durchhält, der gesuchte Zustand des Einsseins. Von diesem Ausgangspunkt aus ist das Herz sowohl Pilger wie Ziel der Reise. Das Endstadium der „inneren Pilgerschaft zur Essenz des Herzens“ wird von Abd al-Qadir al-Jilani, einem Mystiker aus dem 11. Jahrhundert aus Jilan am Kaspischen Meer17 in The Secret of Secrets, einem feinsinnigen Traktat, das die mystische Reise durch die inneren Ebenen hindurch schildert, beschrieben. Er schreibt:

Dann kehrt der Pilger heim, kehrt heim ins Zuhause seines Ursprungs… Die Heimat des inneren Pilgers ist die Welt von Allahs Nähe, und dorthin kehrt er zurück. Das ist alles, was man erklären kann, so viel wie die Zunge sagen und der Verstand begreifen kann. Darüber hinaus können keine Informationen gegeben werden, denn jenseits dessen ist das Unerkennbare, Unfaßbare und Unbeschreibliche. (The Secret of Secrets, übers. v. Shakh Tosun Bayrak al-Jerrahi al-Halveti, p. 87)

Der Geschmack des Verborgenen / The Taste of Hidden Things (Sara Sviri)

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Painting by Odilon Redon

Die Meditation von Christus

Weißt du, wie Christus meditierte? Er verlor sich selbst in Liebe. Das Liebevolle Bewusstsein ist die vollkommene Meditation, die Meditation des Göttlichen im Menschen. Christus liebte alle, auch die Menschen, die ihn gekreuzigt haben. Es ist Zeit, dass wir lernen, wie Christus zu meditieren: mit Gottesbewusstsein im Herzen, mit überfließender Liebe.

Meditate like Christ (Krishna Das)

Der Weg des Aufstiegs

Es gibt nur einen Weg, den alle Lehrer der Wahrheit gelehrt haben: die immer tiefere und tiefere Hingabe an das Licht, die immer größere und größere Herzensöffnung. Alle Herausforderungen dieser Welt sind eine Einladung, tiefer zu gehen und das Licht klarer und machtvoller, als jemals zuvor zu kristallisieren. Wir haben keine andere Wahl. Entweder bewegen wir uns aufwärts (der Weg des Aufstiegs: zur Wahrheit, Schönheit, Güte, Erleuchtung, Licht & Leben, letztendlich zum „Paradies“ und „Himmelreich“) oder wir wählen den absteigenden Weg (Angst, Negativität, Hass, Hässlichkeit, Dunkelheit & Tod, letztendlich die Hölle) in jedem Augenblick – immer Hier und Jetzt – wählen wir unsren Weg und diese Wahl hat nicht nur Konsequenzen für unser eigenes Leben, sondern für das ganze Universum. Jeder Moment der Liebe und des Lichts strahlt aus in das Universum und bringt alle Dinge dem Göttlichen näher. Das Universum erinnert sich an alle erleuchteten Seelen und jeden heiligen Augenblick, den sie miteinander teilen. Keine Bemühung um das Wahre, Gute und Schöne ist jemals vergeblich gewesen …

“Strive to become the true human being:
one who knows love, one who knows pain.
Be full, be humble, be utterly silent,
be the bowl of wine passed from hand to hand.
(Al-Ansari)”
― Llewellyn Vaughan-Lee, Travelling the Path of Love: Sayings of Sufi Masters

Wir Menschen tragen in uns das Potenzial, um reife menschliche Wesen zu werden und diese Vervollkommnung zu reflektieren. Wir können sie erkennen im Leben und der Lehre der Meister und Propheten, Weisen und Heiligen aller Zeiten. Immer wieder sind Einzelne diesen Weg der Selbstwerdung gegangen und haben ganze Zivilisationen mit ihren Licht-Impulsen belebt und genährt. Sie sind das unbestreitbare “Licht der Welt” und das “Salz der Erde”. Vielleicht gibt es schönere Zeiten; aber diese ist die unsere. Selbst eine schlechte Zeit kann zu einer guten Zeit werden, wenn wir sie mit einem wachen und lebendigen Herzen bewohnen, denn die Zeiten sind immer nur so gut oder schlecht, wie die Menschen, die in ihr leben. Das Herz ist der archimedische Punkt, um den alles kreist und von dem alles abhängt.  Wenn das Herz vom göttlichen Licht erfüllt ist, dann wird jede Zeit zu einem Goldenen Zeitalter und jeder Ort zu einem heiligen Tempel. 

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Blau bin ich, vom Azurblau der Unendlichkeit….

Eine spontane Antwort auf das Gedicht von Aşık Daimi.

***

Wer bin ich?
Christ, Jude, Muslim …
Oder einfach nur Mensch
Wellenwoge im Ozean meines Herrn.
Blaue Seelenperle
in den Händen meines Schöpfers,
Blau bin ich, vom Azurblau der Unendlichkeit,
nur der Himmelsklang des Geliebten bin ich,

Regenschauer,
Regenschauer,
Regenschauer.

Ich will mich nur öffnen und weiten
für das Mysterium des Lebens,
welches alle Worte übersteigt.
Gläubig ist jener,
der sich selbst vergisst
im Lied seines Herrn:
wie ein goldenes Blatt im Wind,
der Ewigkeit anvertraut.
Heimat ist überall und nirgendwo,
wenn du ein Freund Gottes bist.
Du bist ein Fluss,
der zwischen allem und nichts fließt:
das ganze Leben ist eine

Reise,
Reise,
Reise,

vom Geliebten und zu ihm zurück.
Was gibt es darüber hinaus zu sagen,
wenn Stille die göttliche Sprache ist?
Ich bin nur dieses Nichts namens Mensch
in dem sich das Universum spiegelt.
So schweige ich lieber
und lasse das Universum sprechen.

Allah Hu,
Allah Hu,
Allah Hu …

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Ich bin der Spiegel des Universums

Ich bin der Spiegel des Universums

Ich bin der Spiegel des Universums
Denn ich bin ein Mensch.

Ich bin der Ozean der Wahrheit
Denn ich bin ein Mensch.

Der Mensch und die Wahrheit sind Eins
Was du suchst, findest du im Menschen

Der Mensch besteht aus Erkenntnissen
Denn ich bin ein Mensch.

Ich könnte die Thora schreiben
Die Bibel könnte ich in Verse fassen
Den verborgenen Gehalt des Koran erfühle ich
Denn ich bin ein Mensch.

Ich, Daimi bin ein Trümmerhaufen
Ich bin die Erde unter den Füßen
Ich bin ein Instrument, durch dessen Klang Gottes Liebe auf tönt.
Denn ich bin ein Mensch.

~ Aşık Daimi (1932-1983), alevitischer Dichter

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