Es gibt nur eine Religion,
welche der Rede wert ist:
ein überfließendes Herz,
trunken vom Licht des Geliebten,
dem ewigen Tanz hingegeben,
verliebt in das Leben. 

~ mein Glaubensbekenntnis

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„… was die Welt / Im Innersten zusammenhält …“ (Faust I)

Der Mystiker trägt heute nicht nur das göttliche Licht, sondern auch den Schatten einer Welt, die Gott vergessen hat.  Wir leben in einer Welt, die vergessen hat, dass sie geliebt wird. Denn Gott ist der Geliebte, die unendliche Liebe, welche die Welt trägt und erhält. Die Welt fällt auseinander, weil sie das einzig Notwendige vergessen hat:  das „… was die Welt / Im Innersten zusammenhält …“ (Faust I) was ist die wichtigste Botschaft des Mystikers an die Welt? Vielleicht dies: hüte das Feuer. Hüte die Erinnerung an Gott. Denn die Erinnerung an Gott ist die Erinnerung an die Liebe. Die Liebe ist der kosmische Licht- und Wärmestrom, der die Welt ermöglicht, der Urklang im Herzen des Universums. Die Liebe lehrt uns, dass wir Kinder des Universums sind, zuhause und geborgen in der ewigen Ordnung aller Dinge.

~ Tagebuch eines Mystikers, 16.01.2019

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Das menschliche Herz ist ein multidimensionales Organ des spirituellen Gewahrseins

Das menschliche Herz ist ein multidimensionales Organ des spirituellen Gewahrseins und des Lichts. Und da der Mensch ein Mikrokosmos der gesamten Schöpfung ist, hat auch die Welt ein Herz des spirituellen Gewahrseins und des Lichts. Im innersten Kern ist das menschliche Herz eins mit dem Herzen der Welt und macht so den Einzelnen zum Tor zur Liebe und zum göttlichen Geheimnis des Ganzen. Betreten wir die Kammern unseres eigenen Herzens, bekommen wir Zugang zum göttlichen Bewusstsein der Welt und können damit arbeiten.

Die Mysterien der Liebe, die Wissenschaft vom Herzen, wurden über die Jahrhunderte durch die esoterischen Lehren verschiedener mystischer Traditionen vermittelt. Besonders der Sufismus hat eingehende Studien zum Menschenherzen und dessen spiritueller Natur betrieben, wobei der Schwerpunkt darauf lag, in wie weit die einzelnen spirituellen Organe innerhalb des Herzens den Reisenden transformieren und erwecken und so zu einem umfassenderen spirituellen Gewahrsein, einem tieferen Eintauchen in das göttliche Licht der Einswerdung, führen. Wanderer auf dem Sufi-Pfad haben die Reise in die inneren Welten kartographiert, indem sie aufzeigen, wie das Erwecken der spirituellen Zentren des Herzens das Bewusstsein des Suchers erweitert. Sie beschreiben, wie schließlich in der innersten Kammer—dem Herz der Herzen—der Liebende mit dem Göttlichen verschmilzt und so die mystische Reise von der Trennung zur Einheit vollendet.

[…]

Schließlich lösen sich auf der Ebene der Einswerdung alle Unterscheidungen zwischen Liebendem und Geliebten auf, und es bleibt nur noch Sein Licht, das durch den Menschen scheint. Das ist die vollständige Verwirklichung der Aussage, dass wir „im Bilde Gottes geschaffen“ sind. Alles ist Er.

[…]

Das Herz befindet sich im Zentrum des Menschen und von daher im Zentrum des Lebens. Weil das Herz ein Mikrokosmos des Ganzen ist, kann es unmittelbar zur Seele der Welt sprechen […] Wir fangen gerade erst damit an, Verantwortung für die Auswirkungen unserer Handlungen in der äußeren, physischen Welt zu übernehmen. Doch viele Menschen fühlen den Schaden, der in der inneren Welt angerichtet worden ist; sie leiden an einem Verlust des Glaubens, an einem Mangel an Freude und Hoffnung, ohne den Grund dafür zu kennen. Die Seele der Welt schreit danach, gerettet zu werden. Es ist an der Zeit, dass spirituell erwachte Menschen Verantwortung übernehmen und auf diesen Schrei antworten, indem sie ihre Herzen für diese Arbeit zur Verfügung stellen.

goldensufi.org: Das Licht des Herzens (Llewellyn Vaughan-Lee)

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Das Lichtgebet

In diesem Jahr werde ich einige der schönsten Gebete der Welt einstellen und kommentieren, um über die Kunst des Gebets zu informieren. Veröffentlichen werde ich diese Beiträge unter dem Titel „Licht über Licht: die schönsten Gebete der Welt“.  Beginnen möchte ich diese Serie mit dem Lichtgebet des Propheten Muhammad, da ich mich als „Sufi christlicher Herkunft“ für den Dialog der Religionen einsetzen und mein Wissen über die verschiedenen spirituellen Traditionen teilen möchte. Das Lichtgebet (Du’a an-Nur) ist zweifellos eines der schönsten Gebete, ein Juwel. Es heißt, dass Mevlana Rumi das Gebet des Lichts jeden Morgen rezitierte.

„O Gott gib Licht in mein Herz, Licht in mein Grab,
Licht in meine Hände, Licht hinter mich, Licht über
mich, Licht unter mich, Licht in meine Ohren, Licht in
meine Augen, Licht auf meine Haut, Licht in mein Haar,
Licht in mein Fleisch, Licht in mein Blut, Licht in meine
Knochen.
O Gott! Mehre mein Licht und mach mich zu Licht.
O Gott! Gib Licht in mein Herz. Licht auf meine Zunge,
Licht in meine Auge, Licht in meine Ohren, Licht auf
meine rechte Seite, Licht auf meine linke Seite, Licht
über mich, Licht unter mich, Licht vor mich, Licht
hinter mich. Licht in mich.
O Gott, ich bitte dich! Gib mir Licht, mehre mein Licht
und mach mich zu Licht! Amen“

(Das Lichtgebet des Propheten Muhammad)

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Das Lichtgebet wird nur wirklich verständlich, wenn vorher eine Einweihung in die Lehre der Lichtmystik erfolgte. So heißt es beispielsweise im Lichtvers des Korans: „Licht über Licht. Gott leitet zu seinem Licht wen Er will“  und Rumi schreibt mit Bezug darauf:  „Kummer um Seinetwillen ist ein Schatz in meinem Herzen. Mein Herz ist „Licht über Licht“, eine wunderschöne Maria, mit Jesus in ihrem Herzen“ – so wie Maria durch ihr  mit Gott verbundenes Herz Jesus zur Welt bringt, so kann jeder Mensch durch sein eigenes Herz das göttliche Licht reflektieren und zur Welt bringen. Dies kann durch die Transformation des eigenen Selbst erreicht werden: wenn wir unser Ego transzendieren, dann zeigt sich unser Wahres und Höheres Selbst.

Alles hat seinen Preis und der Preis der Vereinigung mit dem Geliebten, mit Gott, ist das „Entwerdens des Ego“. Das Entwerden ist gleichbedeutend mit einem Aufstieg der Seele in das göttliche Licht. Die groben Hüllen des Ego werden abgetragen bis nur noch das reine Ich, der göttliche Lichtfunke, das strahlende, unendlich weise und liebevolle Sein der lebendigen göttlichen Gegenwart übrig bleibt. Der spirituelle Weg ist also der Weg der Läuterung vom Groben hin zum Feinen, sodass, metaphorisch gesprochen, die „Sonne des Lichts“ (das Gottesbewusstsein) im Herzen aufgeht und sich – schrittweise und in einem langwierigen Prozess – die vollkommene und dauerhafte Erleuchtung ereignet. Der Mensch wird auf dem Weg der fortschreitenden Selbst- und Gotteserkenntnis mehr und mehr zu einem Lichtmenschen, wie wir es im Beispiel aller großen Propheten und Meister erkennen können.

Die Sonne des Lichts ist im Herzen aufgegangen.
Sie scheint, und es gibt keinen Untergang.

— AL HAKÎM AT‘-TIRMIDHÎ

(Tirmidhî, Al-Hakîm: Three Early Sufi Texts, S. 52, übers. v. Nicholas Heer. Louisville, KY, Fons Vitae, 2003.)

Das reife menschliche Wesen (Insan-i Kamil)

Es ist inzwischen eine akzeptierte spirituelle Auffassung, dass jeder Teil des Universums auf irgendeine Art das Ganze reflektiert. Die zeitgenössische Spiritualität hat jenes holografische Model aus der Wissenschaft übernommen. Diese Auffassung hat im Sufismus (Tasawwuf) schon immer existiert und kommt in folgendem Bild zum Ausdruck: Der Mensch ist nicht nur ein Tropfen der im Ozean aufgeht, sondern ein Tropfen der den Ozean enthält.

Jede göttliche Eigenschaft liegt im menschlichen Herz verborgen. Im Zusammenwirken des menschlichen Willens mit der göttlichen Gnade können diese Eigenschaften aktiviert und manifest werden. Wir Menschen tragen in uns das Potenzial um Reife, oder Vervollkommnung zu erfahren und unsere enge Beziehung mit der Summe allen Seins so zu leben, dass wir diese Vervollkommnung reflektieren. Die höchste spirituelle Verwirklichung des Menschen wird mit dem Begriff „Insan-i Kamil“ (das reife menschliche Wesen) ausgedrückt.

Die menschliche Reife kann nicht vom durchschnittlichen Menschen erkannt werden; sie wird nicht durch die Wissenschaft, Soziologie, Philosophie oder Psychologie erfasst; sie ist ein Geschenk von dem der den Menschen erschaffen hat. Sie ist ein Angebot, das in einem offenbarenden Dialog mit der Menschheit aus dem Herzen der Natur erwächst. Im reifen menschlichen Wesen, durch das die Stimme und Intelligenz der Natur spricht, trägt die Natur ihre endgültige Frucht, erreicht Vervollkommnung. Menschliche Reife ist unser angeborenes Ziel. Doch um dieses zu erreichen, bedarf es unserer bewussten Kooperation mit der göttlichen Gnade. Alles was wir über unser grundlegendes Menschsein wissen stammt von jenen, die reife menschliche Wesen geworden sind und in der Lage waren mit ihren eigenen Herzen der Führung der Kreativen Kraft zu folgen.

Der Sufismus (Tasawwuf) erhielt dieses implizite Wissen zuallererst durch den Qur’an, der sich selbst als „Gnade und Führung für die Menschheit“ beschreibt.

Der Sufismus schöpft auch aus einem expliziteren Verständnis dieser Reife wie sie sich durch Leben und Lehre der Heiligen (Awliya) und Meister seit dem Propheten Muhammad (saws) zeigte.

Eine Spiritualität die der Zeit in der wir leben gerecht werden will, muss auf die Realität von der menschlichen Vervollkommnung ausgerichtet sein. Wenn sie nur auf einer teilweisen Charakterisierung des Menschen aufbaut, ist sie unzureichend. Wie sehr man diesen Mangel auch kompensieren mag – wenn der Ausgangspunkt weniger als die Ganzheit des Menschen ist, wird das Ergebnis eine verzerrte Darstellung des menschlichen Wesens sein.

Die Eigenschaften des reifen menschlichen Wesens (Insan-i-Kamil) sind die Eigenschaften Allahs welche durch die menschliche Natur reflektiert werden. Allah hat unzählige Qualitäten von denen neunundneunzig im Qur’an genannt werden. Einige davon sind die tagtäglichen Eigenschaften des Menschen: Sehen, Hören, Sprechen, Wille, Leben, Achtsamkeit. Der Sufi erkennt, dass diese Qualitäten vom Absoluten Wesen auf den Menschen reflektiert werden. Ein reifer Mensch zu werden bedeutet mehr und mehr dieser göttlichen Qualitäten im Alltag zu reflektieren.

Die Welt ist ein Spiegel der göttlichen Qualitäten, sie ist der Ort ihrer Manifestierung. Diese Qualitäten im Herzen zu erkennen bedeutet auch sie im eigentlichen Leben zu erkennen. Im Feld der Einheit (Tawhid) gibt es keine Trennung. Es existiert daher kein Konflikt zwischen dem menschlichen und dem spirituellen Leben. Wenn das menschliche Leben durch die Forderungen und Irrtümer des Egos geformt wird, wird es zu einer Karikatur, einer Verzerrung seiner Ganzheit reduziert. Vollkommen menschlich zu sein heißt unsere spirituelle Bestimmung zu erfüllen.

rifai.org: Das reife menschliche Wesen (Insan-i Kamil)
Mehr Informationen: Die Reise des Sufi

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Die Macht der Träume

Der Mensch ist ein träumendes Wesen.
Durch die schöpferische Kraft unsrer Träume
erheben wir uns über die Begrenzungen der Welt,
werden unendliche spirituelle Wesen
und bewegen uns im Reich des Lichts,
der Engel und Götter.
Jeder Mensch
trägt ein unendliches Potential in sich,
denn unser Geist
ist ewig, grenzenlos und unendlich.
Erinnere Dich, mein Freund!
Du bist ein machtvolles
göttliches Schöpferwesen,
das Universum liebt Dich
und die Magie deiner Worte
kann die Welt verändern.

© Mark David Vinzens 

ॐ O Flamme, erstrahle lichtvoll und reich! ॐ 

„Träume, Sehnsüchte, wer sie verdrängt,
unterdrückt das Beste in sich
und wird ein leerer Mensch ….“

Die Schöpfung ist das Spiegelbild des Schöpfers

Wir betrachten die Schöpfung als ein Spiegelbild des Schöpfers und als den Ort, an dem wir Ihm, den wir lieben, nahekommen können. Für den Sufi ist das Leben selbst stets der größte Lehrer. Die Schöpfung ist ein Spiegelbild des Schöpfers. Ist das Herz erweckt, öffnet sich das Auge des Herzens, und mit diesem Auge vermag der Liebende die Zeichen seines Geliebten zu lesen, Sein Antlitz in der ihn umgebenden Welt gespiegelt sehen. Das Auge des Herzens ist das Organ unmittelbarer Wahrnehmung, mit dem wir die Dinge sehen können, wie sie wirklich sind, und nicht, wie sie zu sein scheinen. Ist das Auge des Herzens verschlossen, dann scheint die Welt eine autonome Existenz zu besitzen, und wir sind von der Geburt bis zum Tode im Kreislauf des Lebens gefangen.

Wenn das innere Auge sich öffnet, ändert sich das illusionäre Bild der äußeren Welt, und wir beginnen, die Hand des Schöpfers am Werk zu erkennen. Wenn wir Seine Gegenwart in der Welt wahrnehmen können, befreien wir uns aus den Fängen dieser Welt, denn dann binden wir uns im Innern mehr an den Schöpfer als an die Schöpfung. Innerlich wendet sich das Herz Gott zu; in der Außenwelt nehmen wir wahr, was hinter dem Tanz der Formen verborgen liegt. Manchmal sehen wir Sein Licht in den Augen eines Freundes, eines Liebhabers oder eines Fremden aufleuchten. Manchmal erkennen wir in der Schönheit eines Sonnenuntergangs nicht nur die Schönheit eines Naturschauspiels, sondern sehen auch die Hand des Malers am Werk. Wir erhaschen einen Hauch von Seinem Duft und wissen, daß er von Ihm herüberweht. Nach und nach erkennen wir Seine Zeichen und den Faden unserer tieferen Bestimmung, der in die äußeren Begebenheiten unseres Lebens hineingewoben ist, deutlicher. Die Bestimmung unserer Seele ist der Pfad, der uns zur Freiheit führt, im Verlaufe dessen wir lernen, was uns zu lernen in dieser unserer Inkarnation aufgegeben ist.

[…]

Wenn wir in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben, in unseren Erinnerungen oder in unseren Erwartungen, sind wir völlig in der Illusion der Zeit und im „Tanz der Schatten“ gefangen. Nur im gegenwärtigen Augenblick haben wir Zugang zu unserem ewigen Selbst, das außerhalb der Zeit existiert. In der Intensität jedes Augenblicks existiert keine Zeit – Liebende wissen das. Liebe gehört nicht der Welt der Zeit, sondern der Dimension des Selbst an. Für das Selbst ist der Zustand des Einsseins vor aller Ewigkeit, das Liebesband zwischen Liebendem und Geliebtem, ewig gegenwärtig. Es ist die Achse der Liebe, die im Kern der Schöpfung, inmitten jedes Augenblicks zu finden ist. In den Augenblicken, da wir Liebe erleben, sind wir an dieses Zentrum des Seins angeschlossen. Was wir in unserem Herzen spüren können, ist eine Spiegelung Seiner Liebe zu Sich Selbst.

Der Pfad der Liebe führt uns fort aus dem Netz der Zeit, wie Rumi es rühmt:
Tritt heraus aus dem Zirkel der Zeit, tritt ein in den Zirkel der Liebe.

In der Liebe gibt es nur den ewig währenden Augenblick. Wenn wir zum Verlangen unseres Herzens „ja“ sagen, treten wir ein „in den Zirkel der Liebe“. Dann wird durch unsere Hingabe und unsere spirituellen Praktiken die Energie der Liebe aktiviert, und wir überschreiten die Begrenzungen des Verstandes und die Illusion der Zeit. In der Meditation können wir die unendlichen Sphäre der Ewigkeit des Herzens erfahren.

goldensufi.org: Die Paradoxe der Liebe (Llevelyn Vaughan Lee)

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