Ibn Arabi und der göttliche Humanismus

Ein Gedicht von Muhyiddin Ibn Arabi (1165–1240)

Aus: Das Wunder von al-Andalus. Die schönsten Gedichte aus dem Maurischen Spanien. Aus dem Arabischen und Hebräischen ins Deutsche übertragen und erläutert von Georg Bossong. München: C.H. Beck, 2005, S. 154

über Zu zart für Gedanken — Lyrikzeitung & Poetry News

Das ist ein sehr schönes Beispiel für die Poesie der Sufis, welche das Menschsein und das Göttliche, als die Kehrseiten der selben Wirklichkeit begreift. Die göttliche Liebe, Wahrheit und Schönheit wird entsprechend erotisch erlebt und beschrieben. Das Göttliche spiegelt sich im Menschen und umgekehrt. Ich nenne das den  „göttlichen Humanismus“.  Dazu passt inhaltlich sicher dieses Buch: Abhandlung über die Liebe: Aus den Mekkanischen Eröffnungen (Futuhat al-Makkiyah)

„Du hast also scharfsichtig zu sein, damit du die Reichweite der Liebe und den Wert der Person, die dich liebt, erkennst und auch damit du eilst, dich mit ihr zu vereinen, indem du dich über Seine Liebe mit Eigenschaften Gottes tränkst. So legt Er es dir nahe. Ist Er es doch, Der dich ursprünglich mit dieser Liebe, der nie etwas gleichkommen wird, erschaffen hat. Deshalb ist der Liebesakt, wenn er auch im Grunde genommen mit Ihm jedes Mal neu vollzogen wird, lediglich die Folge jener Liebe, mit der Er dich schon seit Anbeginn liebt.“ ~ Ibn Arabi

Im spirituellen Schrifttum des Islams stellt die Abhandlung über die Liebe einen Höhepunkt dar; sie ist im Ganzen wie auch im Detail ein vollendetes Meisterwerk. 

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3 Antworten auf „Ibn Arabi und der göttliche Humanismus

  1. Hejdo,
    das „Haar der Berenike“ ist ein Sternbild, das am Frühlingshimmel zu sehen ist, deshalb „ruhen auch die Pferde“, das Sternbild des Pegasus, das am Herbsthimmel steht. Ein Hauptstern der Berenike heißt „Diadem“. Er ist sehr schwach (… zu zart für unseres Schauens Bühne“) und bei Neumond besser sichtbar („… verblaßt des Mondes rund“).
    Die griechische Sage erzählt, dass Berenike ihr Haar der Aphrodite (Venus) für einen Sieg ihres Mannes opferte.
    Dem Diadem liegt „des Lichtes Sternenkreis“ zu Füßen, das Sternbild Jungfrau, dessen Diadem es darstellt.
    Das Gedicht bildet (auch) die Liebe am Himmel ab: erotisch (Venus und das Haar der Frau), aufopfernd, keusch, jungfräulich, als brennend, verwirrend („Pferde der Gedanken“), aber rein (ohne dass „der Schlamm das Becken trübt“) auch erhebend über das normale Maß des Menschen usf.
    Das ist kurz ein Inhalt des Gedichts.

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