Die Schöpfung ist das Spiegelbild des Schöpfers

Wir betrachten die Schöpfung als ein Spiegelbild des Schöpfers und als den Ort, an dem wir Ihm, den wir lieben, nahekommen können. Für den Sufi ist das Leben selbst stets der größte Lehrer. Die Schöpfung ist ein Spiegelbild des Schöpfers. Ist das Herz erweckt, öffnet sich das Auge des Herzens, und mit diesem Auge vermag der Liebende die Zeichen seines Geliebten zu lesen, Sein Antlitz in der ihn umgebenden Welt gespiegelt sehen. Das Auge des Herzens ist das Organ unmittelbarer Wahrnehmung, mit dem wir die Dinge sehen können, wie sie wirklich sind, und nicht, wie sie zu sein scheinen. Ist das Auge des Herzens verschlossen, dann scheint die Welt eine autonome Existenz zu besitzen, und wir sind von der Geburt bis zum Tode im Kreislauf des Lebens gefangen.

Wenn das innere Auge sich öffnet, ändert sich das illusionäre Bild der äußeren Welt, und wir beginnen, die Hand des Schöpfers am Werk zu erkennen. Wenn wir Seine Gegenwart in der Welt wahrnehmen können, befreien wir uns aus den Fängen dieser Welt, denn dann binden wir uns im Innern mehr an den Schöpfer als an die Schöpfung. Innerlich wendet sich das Herz Gott zu; in der Außenwelt nehmen wir wahr, was hinter dem Tanz der Formen verborgen liegt. Manchmal sehen wir Sein Licht in den Augen eines Freundes, eines Liebhabers oder eines Fremden aufleuchten. Manchmal erkennen wir in der Schönheit eines Sonnenuntergangs nicht nur die Schönheit eines Naturschauspiels, sondern sehen auch die Hand des Malers am Werk. Wir erhaschen einen Hauch von Seinem Duft und wissen, daß er von Ihm herüberweht. Nach und nach erkennen wir Seine Zeichen und den Faden unserer tieferen Bestimmung, der in die äußeren Begebenheiten unseres Lebens hineingewoben ist, deutlicher. Die Bestimmung unserer Seele ist der Pfad, der uns zur Freiheit führt, im Verlaufe dessen wir lernen, was uns zu lernen in dieser unserer Inkarnation aufgegeben ist.

[…]

Wenn wir in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben, in unseren Erinnerungen oder in unseren Erwartungen, sind wir völlig in der Illusion der Zeit und im „Tanz der Schatten“ gefangen. Nur im gegenwärtigen Augenblick haben wir Zugang zu unserem ewigen Selbst, das außerhalb der Zeit existiert. In der Intensität jedes Augenblicks existiert keine Zeit – Liebende wissen das. Liebe gehört nicht der Welt der Zeit, sondern der Dimension des Selbst an. Für das Selbst ist der Zustand des Einsseins vor aller Ewigkeit, das Liebesband zwischen Liebendem und Geliebtem, ewig gegenwärtig. Es ist die Achse der Liebe, die im Kern der Schöpfung, inmitten jedes Augenblicks zu finden ist. In den Augenblicken, da wir Liebe erleben, sind wir an dieses Zentrum des Seins angeschlossen. Was wir in unserem Herzen spüren können, ist eine Spiegelung Seiner Liebe zu Sich Selbst.

Der Pfad der Liebe führt uns fort aus dem Netz der Zeit, wie Rumi es rühmt:
Tritt heraus aus dem Zirkel der Zeit, tritt ein in den Zirkel der Liebe.

In der Liebe gibt es nur den ewig währenden Augenblick. Wenn wir zum Verlangen unseres Herzens „ja“ sagen, treten wir ein „in den Zirkel der Liebe“. Dann wird durch unsere Hingabe und unsere spirituellen Praktiken die Energie der Liebe aktiviert, und wir überschreiten die Begrenzungen des Verstandes und die Illusion der Zeit. In der Meditation können wir die unendlichen Sphäre der Ewigkeit des Herzens erfahren.

goldensufi.org: Die Paradoxe der Liebe (Llevelyn Vaughan Lee)

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