Das Einzige Sein

„Der Gott der Sufis ist ein Gott aller Glaubensrichtungen und ein Gott für alle Menschen. Im Namen sehen die Sufis keine Unterschiede – Allah, Gott, Dieu, Khuda oder Bhagwan. Diese Namen und noch viele mehr sind die Namen des Gottes der Sufis, und doch ist Gott für die Sufis erhaben über jegliche Einschränkung durch Namen. Die Sufis sehen Gott in der Sonne, im Feuer, in Idolen, die von verschiedenen Sekten verehrt werden. Sufis erkennen Gott in allen Formen und Gestalten des Universums und wissen zugleich, das Gott über jeglicher Form steht. Gott ist in allem, und alles ist in Gott. Gott ist das Sichtbare und das Unsichtbare, das Einzige Sein. Gott ist für die Sufis nicht Inhalt einer aufgezwungenen religiösen Überzeugung, sondern das höchste Ideal, das der menschliche Geist erfassen kann.

Die Sufis vergessen ihr Selbst und streben danach, ihr göttliches Ideal zu erreichen. Sie sind ständig während ihres ganzen Lebens auf dem Weg der Liebe und des Lichts. In Gott sehen sie die Vollkommenheit von allem, das in Reichweite der menschlichen Wahrnehmung liegt, und wissen zugleich, dass Gott jenseits der Reichweite des Menschen steht. Die Sufis schauen auf Gott, wie Liebende auf ihre Geliebte schauen. Sie betrachten alle Dinge im Leben als von Gott kommend und nehmen sie in vollkommener Ergebung an. Die heiligen Namen Gottes sind für die Sufis wie Medizin für Patienten. Der Gedanke an Gott ist ihr Kompass, mit dem sie ihr Schiff an das Ufer der Unsterblichkeit steuern.“ (Die Sufi-Botschaft von Hazrat Inayat Khan S. 18)

 

 

Spiritualität bedeutet Lebendig-Sein

“Meiner Ansicht nach bedeutet Spiritualität, lebendig-sein. Ein geistiger Mensch, der zur Schönheit der Poesie erwacht ist, der für die Schönheit von Melodie und Harmonie empfänglich ist, der sich an Kunst erfreut und sich von der Schönheit der Natur begeistern lässt, der als lebendiges Wesen lebt, und nicht als ein totes, diesen Menschen kann man spirituell nennen. (S. 280)”

― Hazrat Inayat Khan, Meisterschaft: Spirituelle Verwirklichung in dieser Welt

 

 

Die wundersame Macht der guten Gedanken

Es gibt keine Grenzen für Gedanken und Gefühle

“Könnten wir doch nur begreifen, dass jeder Augenblick im Leben, jeder Tag, jeder Monat und jedes Jahr ihre jeweils eigenen Segnungen haben; wenn wir bloß die Gelegenheiten des Lebens erkennen würden! Aber die größte Chance im Leben bietet das Erkennen und Verwirklichen des Lebenssinns, dessentwegen der Mensch auf die Erde gesandt wurde. Verpasst er diese Gelegenheit, dann wird er nicht zufriedengestellt werden, ob er auch Vermögen und Besitztümer angesammelt, oder sich einen großen Namen gemacht hat. Sobald der Mensch erst einmal die Augen öffnet und die Welt zu betrachten beginnt, wird er feststellen, dass die Welt weitaus mehr Möglichkeiten bietet, als er sich das je träumen ließ.

Der Mensch mag arm sein, begrenzt und voller Sorgen; dennoch, er könnte alles in dieser Welt erreichen, wenn er nur wüsste wozu das Denken imstande ist. Unwissenheit hindert ihn seine Bestimmung zu erfüllen. Der Mensch sollte wissen wie er sein Denken steuert, wie er gewisse Dinge erreicht, wie er seinen Geist auf das gewünschte Objekt konzentriert. Weiß er dies nicht, dann hat er von seinem Geist keinen Gebrauch gemacht, sondern wie eine Maschine gelebt. Wüsste der Mensch Bescheid über die Macht der Gefühle, und würde er erkennen, dass diese Macht überall hinreicht und alles durchdringt, dann könnte er sich all seine Wünsche erfüllen.

Es gibt eine persische Geschichte über Shirin und Farhad. Shirin, das Mädchen das von Farhad verehrt wurde, sagte einmal, um seine Liebe zu prüfen, “Farhad, liebst du mich? Wenn du mich liebst musst du einen Weg durch die Berge bauen.” Farhad entgegnete, “ja, ich habe auf diese Prüfung gewartet.” Voller Liebe zu ihr ging er in die Berge. Jedes mal wenn er mit seinem Hammer den Fels zerschlug, sprach er den Namen von Shirin, und die Kraft seines Hammers wurde tausendfach verstärkt, weil sie vom Gefühl seines Herzens begleitet wurde. Heutzutage haben die Menschen die große Macht die im Gefühl liegt, vergessen. Sie kann Felsen brechen. Es gibt nichts, das nicht mit der Kraft des Fühlens erreicht werden könnte […] wir können jenes höhere Wissen erlangen, welches alle Ketten des Lebens zerbricht und unser Bewusstsein emporhebt, um das Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Der Mensch, der diese Gelegenheit nutzt, hat den Sinn des Lebens erfüllt.”

― Hazrat Inayat Khan, Meisterschaft: Spirituelle Verwirklichung in dieser Welt

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Ein neuer Himmel und eine neue Erde

„Das Erwachen der Seele wird in der Bibel so beschrieben: „Bevor die Seele nicht wiedergeboren ist, kann sie nicht in das himmlische Königreich einkehren“. Wiedergeboren zu werden bedeutet für eine Seele, dass sie, nachdem sie auf die Erde gekommen ist, erwacht. Das Einkehren in das himmlische Königreich bedeutet, einzukehren in die Welt, in der wir jetzt stehen; in dieses selbe Königreich, das sich in den Himmel verwandelt, sobald sich unser Blickwinkel geändert hat. Ist es nicht interessant und höchst wunderbar zu denken, dass dieselbe Erde, auf der wir gehen, für den einen Menschen die Erde und für einen anderen den Himmel bedeutet? Und es ist noch interessanter zu bemerken, dass wir es sind, die die Erde in den Himmel verwandeln. Dieser Wandel geschieht nur durch das Ändern unseres Blickwinkels.“

~ Hazrat Inayat Khan

Meditation: Ein Thema für jeden Tag

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Die Ikone des neuen Jerusalem

 

Der König meiner Seele

“Wie soll ich Dir danken für deine Gnade und Barmherzigkeit, O König meiner Seele? Was tatest du nicht für mich, als ich einsam im Dunkel der Nacht in der Wildnis irrend streifte. Du kamst mit brennender Fackel und erleuchtetest meinen Pfad. Als ich frierend ob der Herzenskälte und Härte der Welt Zuflucht suchte, da hast Du mich mit deiner unendlichen Liebe tröstend umhüllt. Schließlich, als mir von nirgendsher Antwort kam, klopfte ich an deine Tür, und Du hast gleich den Ruf meines gebrochenen Herzens erhört…” ― Hazrat Inayat Khan, Gayan – Vadan – Nirtan: die Essenz der Sufi-Botschaft von Hazrat Inayat Khan

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Mit unsren Gedanken erschaffen wir die Welt

“Im Gayan lesen wir, „Das Gegenwärtige ist die Widerspiegelung der Vergangenheit, und die Zukunft ist der Widerhall des Gegenwärtigen.“ Das Schicksal ist nicht etwas bereits Gemachtes; Schicksal ist, was wir machen. Fatalisten meinen sehr häufig, wir seien in den Händen des Schicksals und würden in unserem Leben nach dem Willen des Schicksals in irgendeine Richtung getrieben; tatsächlich aber sind wir die Meister/innen unseres Schicksals, besonders von dem Moment an, in dem uns diese Wahrheit bewusst wird. Eine bekannte Redewendung der Hindus bezeichnet die Schöpfung als Brahmas Traum; mit anderen Worten, alle Manifestationen ist der Traum des Schöpfers. Dem möchte ich gern hinzufügen, dass Schicksal die Verkörperung der menschlichen Gedanken bedeutet. Der Mensch ist für seinen Erfolg und Misserfolg, für seinen Aufstieg und Fall verantwortlich; er ist es, der dies bewusst oder unbewusst verursacht. (S. 40)”

― Hazrat Inayat Khan, Meisterschaft: Spirituelle Verwirklichung in dieser Welt

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