Das menschliche Herz ist ein multidimensionales Organ des spirituellen Gewahrseins

Das menschliche Herz ist ein multidimensionales Organ des spirituellen Gewahrseins und des Lichts. Und da der Mensch ein Mikrokosmos der gesamten Schöpfung ist, hat auch die Welt ein Herz des spirituellen Gewahrseins und des Lichts. Im innersten Kern ist das menschliche Herz eins mit dem Herzen der Welt und macht so den Einzelnen zum Tor zur Liebe und zum göttlichen Geheimnis des Ganzen. Betreten wir die Kammern unseres eigenen Herzens, bekommen wir Zugang zum göttlichen Bewusstsein der Welt und können damit arbeiten.

Die Mysterien der Liebe, die Wissenschaft vom Herzen, wurden über die Jahrhunderte durch die esoterischen Lehren verschiedener mystischer Traditionen vermittelt. Besonders der Sufismus hat eingehende Studien zum Menschenherzen und dessen spiritueller Natur betrieben, wobei der Schwerpunkt darauf lag, in wie weit die einzelnen spirituellen Organe innerhalb des Herzens den Reisenden transformieren und erwecken und so zu einem umfassenderen spirituellen Gewahrsein, einem tieferen Eintauchen in das göttliche Licht der Einswerdung, führen. Wanderer auf dem Sufi-Pfad haben die Reise in die inneren Welten kartographiert, indem sie aufzeigen, wie das Erwecken der spirituellen Zentren des Herzens das Bewusstsein des Suchers erweitert. Sie beschreiben, wie schließlich in der innersten Kammer—dem Herz der Herzen—der Liebende mit dem Göttlichen verschmilzt und so die mystische Reise von der Trennung zur Einheit vollendet.

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Schließlich lösen sich auf der Ebene der Einswerdung alle Unterscheidungen zwischen Liebendem und Geliebten auf, und es bleibt nur noch Sein Licht, das durch den Menschen scheint. Das ist die vollständige Verwirklichung der Aussage, dass wir „im Bilde Gottes geschaffen“ sind. Alles ist Er.

[…]

Das Herz befindet sich im Zentrum des Menschen und von daher im Zentrum des Lebens. Weil das Herz ein Mikrokosmos des Ganzen ist, kann es unmittelbar zur Seele der Welt sprechen […] Wir fangen gerade erst damit an, Verantwortung für die Auswirkungen unserer Handlungen in der äußeren, physischen Welt zu übernehmen. Doch viele Menschen fühlen den Schaden, der in der inneren Welt angerichtet worden ist; sie leiden an einem Verlust des Glaubens, an einem Mangel an Freude und Hoffnung, ohne den Grund dafür zu kennen. Die Seele der Welt schreit danach, gerettet zu werden. Es ist an der Zeit, dass spirituell erwachte Menschen Verantwortung übernehmen und auf diesen Schrei antworten, indem sie ihre Herzen für diese Arbeit zur Verfügung stellen.

goldensufi.org: Das Licht des Herzens (Llewellyn Vaughan-Lee)

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Die Schöpfung ist das Spiegelbild des Schöpfers

Wir betrachten die Schöpfung als ein Spiegelbild des Schöpfers und als den Ort, an dem wir Ihm, den wir lieben, nahekommen können. Für den Sufi ist das Leben selbst stets der größte Lehrer. Die Schöpfung ist ein Spiegelbild des Schöpfers. Ist das Herz erweckt, öffnet sich das Auge des Herzens, und mit diesem Auge vermag der Liebende die Zeichen seines Geliebten zu lesen, Sein Antlitz in der ihn umgebenden Welt gespiegelt sehen. Das Auge des Herzens ist das Organ unmittelbarer Wahrnehmung, mit dem wir die Dinge sehen können, wie sie wirklich sind, und nicht, wie sie zu sein scheinen. Ist das Auge des Herzens verschlossen, dann scheint die Welt eine autonome Existenz zu besitzen, und wir sind von der Geburt bis zum Tode im Kreislauf des Lebens gefangen.

Wenn das innere Auge sich öffnet, ändert sich das illusionäre Bild der äußeren Welt, und wir beginnen, die Hand des Schöpfers am Werk zu erkennen. Wenn wir Seine Gegenwart in der Welt wahrnehmen können, befreien wir uns aus den Fängen dieser Welt, denn dann binden wir uns im Innern mehr an den Schöpfer als an die Schöpfung. Innerlich wendet sich das Herz Gott zu; in der Außenwelt nehmen wir wahr, was hinter dem Tanz der Formen verborgen liegt. Manchmal sehen wir Sein Licht in den Augen eines Freundes, eines Liebhabers oder eines Fremden aufleuchten. Manchmal erkennen wir in der Schönheit eines Sonnenuntergangs nicht nur die Schönheit eines Naturschauspiels, sondern sehen auch die Hand des Malers am Werk. Wir erhaschen einen Hauch von Seinem Duft und wissen, daß er von Ihm herüberweht. Nach und nach erkennen wir Seine Zeichen und den Faden unserer tieferen Bestimmung, der in die äußeren Begebenheiten unseres Lebens hineingewoben ist, deutlicher. Die Bestimmung unserer Seele ist der Pfad, der uns zur Freiheit führt, im Verlaufe dessen wir lernen, was uns zu lernen in dieser unserer Inkarnation aufgegeben ist.

[…]

Wenn wir in der Vergangenheit oder in der Zukunft leben, in unseren Erinnerungen oder in unseren Erwartungen, sind wir völlig in der Illusion der Zeit und im „Tanz der Schatten“ gefangen. Nur im gegenwärtigen Augenblick haben wir Zugang zu unserem ewigen Selbst, das außerhalb der Zeit existiert. In der Intensität jedes Augenblicks existiert keine Zeit – Liebende wissen das. Liebe gehört nicht der Welt der Zeit, sondern der Dimension des Selbst an. Für das Selbst ist der Zustand des Einsseins vor aller Ewigkeit, das Liebesband zwischen Liebendem und Geliebtem, ewig gegenwärtig. Es ist die Achse der Liebe, die im Kern der Schöpfung, inmitten jedes Augenblicks zu finden ist. In den Augenblicken, da wir Liebe erleben, sind wir an dieses Zentrum des Seins angeschlossen. Was wir in unserem Herzen spüren können, ist eine Spiegelung Seiner Liebe zu Sich Selbst.

Der Pfad der Liebe führt uns fort aus dem Netz der Zeit, wie Rumi es rühmt:
Tritt heraus aus dem Zirkel der Zeit, tritt ein in den Zirkel der Liebe.

In der Liebe gibt es nur den ewig währenden Augenblick. Wenn wir zum Verlangen unseres Herzens „ja“ sagen, treten wir ein „in den Zirkel der Liebe“. Dann wird durch unsere Hingabe und unsere spirituellen Praktiken die Energie der Liebe aktiviert, und wir überschreiten die Begrenzungen des Verstandes und die Illusion der Zeit. In der Meditation können wir die unendlichen Sphäre der Ewigkeit des Herzens erfahren.

goldensufi.org: Die Paradoxe der Liebe (Llevelyn Vaughan Lee)

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Spirituelle Ökologie und die Heilung der Welt

Das interspirituelle Zeitalter steht im Zusammenhang mit unserem erwachenden Sinn für eine allseitige Verbundenheit, der tief in dem Bewusstsein der Einheit, der wir alle angehören, seinen Ursprung hat. Dieses Wissen von der Einheit allen Seins, von dieser göttlichen Einheit, die uns allen gemeinsam ist, war den Mystikern und spirituell Praktizierenden seit jeher vertraut, aber jetzt beginnt es sich im kollektiven Bewusstsein der Menschheit herauszubilden. Wir bewegen uns von einer Ära der Aufspaltung in eine Ära der Einheit, zu dem Bewusstwerden der Einheit und des „Interseins“, des Miteinander-Verwobenseins aller Schöpfung , wie es in dem wunderbaren und numinosen Bild von Indras Netz aus der Tradition des Mahayana Buddhismus dargestellt ist:

„Hier wird das Universum als unendliches Netz gesehen; wo immer die Fäden sich kreuzen, ist jeweils eine helle, leuchtende Perle, in der sich all die anderen Perlen spiegeln und die wiederum von ihnen gespiegelt wird. Jede Perle ist ein individuelles Bewusstsein – sei es von einem Menschen, einem Tier, einer Pflanze, einer Zelle oder einem Atom – und so verursacht eine Veränderung in einer Perle, wie klein sie auch sein mag, eine Veränderung in all den anderen Perlen, wobei jede einzeln wie auch auf das Ganze reagierend ist.“ (i)

Wesentlich in diesem Erwachen zur Einheit und ihrem lebendigen wechselseitigen Verbundensein ist das Gewahrwerden, in wieweit wir ein unabdingbarer Teil des Ökosystems des Planeten sind.

[…]

Die Menschen, die die Weisheit der natürlichen Welt bewahren, wissen, dass die geschaffene Welt und all ihre vielen Bewohner heilig sind und zusammengehören. Unsere Abtrennung von der natürlichen Welt hat uns zwar die Früchte der Technologie und Wissenschaft ernten lassen, aber wir haben dadurch jegliche instinktive Verbindung zur spirituellen Dimension des Lebens verloren – die Verbindung zwischen unserer Seele und der Seele der Welt, das Wissen, dass wir alle Teil eines lebendigen spirituellen Wesens sind. Diese Ganzheit ist es, die jetzt inständig nach uns ruft und unsere Antwort braucht. Sie braucht von uns, dass wir unsere Wurzel und unsere Verwurzelung wiedergewinnen: unsere Beziehung zum Heiligen in der Schöpfung. Nur von dem Ort heiliger Ganzheit und Verehrung aus können wir die Aufgabe des Heilens beginnen, können wir die Welt wieder ins Gleichgewicht bringen. Wir können nicht zur Einfachheit einer indigenen Lebensweise zurückkehren, aber wir können uns bewusst werden, dass sich unsere Handlungen und unsere Haltung auf individueller Ebene sehr wohl global auf die Welt, die innere wie auch die äußere, auswirken.

Wir können lernen, nachhaltiger zu leben, uns nicht in unnötigem Materialismus zu verfangen. Wir können auch lernen, das spirituelle Ungleichgewicht der Welt zu heilen: Unser individuelles Gewahrsein des Heiligen in der Schöpfung hebt die Spaltung von Geist und Materie in unserer eigenen Seele und in der Seele der Welt wieder auf. Mehr als wir wissen, sind wir mit dem spirituellen Körper der Erde vernetzt. Wir alle werden unsere eigene Weise entwickeln, diese Verbindung zu leben, diese ursprüngliche Achtsamkeit für unser Verwobensein mit der Erde. So gibt es zum Beispiel ein einfaches Gebet für die Erde, bei dem wir, während wir innerlich an Gott denken, die Welt als lebendiges Wesen in unserem Herzen halten. Wir werden uns in unserem Herzen des Kummers und Leidens der Welt gewahr und bitten, dass göttliche Liebe und Heilung dahin fließen mögen, wo Not ist, und dass auch dann, wenn wir damit fortfahren, die Welt so schlecht zu behandeln, die Macht des Göttlichen uns und der Welt helfen möge, die Erde ins Gleichgewicht zurückzubringen.

~ Llevellyn Vaughan Lee, Einheit und Spirituelle Ökologie (goldensufi.org) Mehr Artikel von Llevellyn können hier gelesen werden und hier: Working with Oneness