Blau bin ich, vom Azurblau der Unendlichkeit….

Eine spontane Antwort auf das Gedicht von Aşık Daimi.

***

Wer bin ich?
Christ, Jude, Muslim …
Oder einfach nur Mensch
Wellenwoge im Ozean meines Herrn.
Blaue Seelenperle
in den Händen meines Schöpfers,
Blau bin ich, vom Azurblau der Unendlichkeit,
nur der Himmelsklang des Geliebten bin ich,

Regenschauer,
Regenschauer,
Regenschauer.

Ich will mich nur öffnen und weiten
für das Mysterium des Lebens,
welches alle Worte übersteigt.
Gläubig ist jener,
der sich selbst vergisst
im Lied seines Herrn:
wie ein goldenes Blatt im Wind,
der Ewigkeit anvertraut.
Heimat ist überall und nirgendwo,
wenn du ein Freund Gottes bist.
Du bist ein Fluss,
der zwischen allem und nichts fließt:
das ganze Leben ist eine

Reise,
Reise,
Reise,

vom Geliebten und zu ihm zurück.
Was gibt es darüber hinaus zu sagen,
wenn Stille die göttliche Sprache ist?
Ich bin nur dieses Nichts namens Mensch
in dem sich das Universum spiegelt.
So schweige ich lieber
und lasse das Universum sprechen.

Allah Hu,
Allah Hu,
Allah Hu …

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Ich bin der Spiegel des Universums

Ich bin der Spiegel des Universums

Ich bin der Spiegel des Universums
Denn ich bin ein Mensch.

Ich bin der Ozean der Wahrheit
Denn ich bin ein Mensch.

Der Mensch und die Wahrheit sind Eins
Was du suchst, findest du im Menschen

Der Mensch besteht aus Erkenntnissen
Denn ich bin ein Mensch.

Ich könnte die Thora schreiben
Die Bibel könnte ich in Verse fassen
Den verborgenen Gehalt des Koran erfühle ich
Denn ich bin ein Mensch.

Ich, Daimi bin ein Trümmerhaufen
Ich bin die Erde unter den Füßen
Ich bin ein Instrument, durch dessen Klang Gottes Liebe auf tönt.
Denn ich bin ein Mensch.

~ Aşık Daimi (1932-1983), alevitischer Dichter

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Die Macht der Träume

Der Mensch ist ein träumendes Wesen.
Durch die schöpferische Kraft unsrer Träume
erheben wir uns über die Begrenzungen der Welt,
werden unendliche spirituelle Wesen
und bewegen uns im Reich des Lichts,
der Engel und Götter.
Jeder Mensch
trägt ein unendliches Potential in sich,
denn unser Geist
ist ewig, grenzenlos und unendlich.
Erinnere Dich, mein Freund!
Du bist ein machtvolles
göttliches Schöpferwesen,
das Universum liebt Dich
und die Magie deiner Worte
kann die Welt verändern.

© Mark David Vinzens 

ॐ O Flamme, erstrahle lichtvoll und reich! ॐ 

„Träume, Sehnsüchte, wer sie verdrängt,
unterdrückt das Beste in sich
und wird ein leerer Mensch ….“

Ibn Arabi und der göttliche Humanismus

Ein Gedicht von Muhyiddin Ibn Arabi (1165–1240)

Aus: Das Wunder von al-Andalus. Die schönsten Gedichte aus dem Maurischen Spanien. Aus dem Arabischen und Hebräischen ins Deutsche übertragen und erläutert von Georg Bossong. München: C.H. Beck, 2005, S. 154

über Zu zart für Gedanken — Lyrikzeitung & Poetry News

Das ist ein sehr schönes Beispiel für die Poesie der Sufis, welche das Menschsein und das Göttliche, als die Kehrseiten der selben Wirklichkeit begreift. Die göttliche Liebe, Wahrheit und Schönheit wird entsprechend erotisch erlebt und beschrieben. Das Göttliche spiegelt sich im Menschen und umgekehrt. Ich nenne das den  „göttlichen Humanismus“.  Dazu passt inhaltlich sicher dieses Buch: Abhandlung über die Liebe: Aus den Mekkanischen Eröffnungen (Futuhat al-Makkiyah)

„Du hast also scharfsichtig zu sein, damit du die Reichweite der Liebe und den Wert der Person, die dich liebt, erkennst und auch damit du eilst, dich mit ihr zu vereinen, indem du dich über Seine Liebe mit Eigenschaften Gottes tränkst. So legt Er es dir nahe. Ist Er es doch, Der dich ursprünglich mit dieser Liebe, der nie etwas gleichkommen wird, erschaffen hat. Deshalb ist der Liebesakt, wenn er auch im Grunde genommen mit Ihm jedes Mal neu vollzogen wird, lediglich die Folge jener Liebe, mit der Er dich schon seit Anbeginn liebt.“ ~ Ibn Arabi

Im spirituellen Schrifttum des Islams stellt die Abhandlung über die Liebe einen Höhepunkt dar; sie ist im Ganzen wie auch im Detail ein vollendetes Meisterwerk. 

Der Baum des Lebens

 

 

Ich bin das Sonnenstäubchen, ich bin der Sonnenball.
Zum Stäubchen sag‘ ich: bleibet und zu der Sonn‘: entwall.
Ich bin der Morgenschimmer, ich bin der Abendhauch.
Ich bin des Haines Säuseln, des Meeres Wogenschwall.
Ich bin der Mast, das Steuer, der Steuermann, das Schiff;
Ich bin, woran es scheitert, die Klippe von Korall.
Ich bin der Vogelsteller, der Vogel und das Netz.
Ich bin das Bild, der Spiegel, der Hall und Wiederhall,
Ich bin der Baum des Lebens und drauf der Papagei;
Das Schweigen, der Gedanke, die Zunge und der Schall.
Ich bin der Hauch der Flöte, ich bin des Menschen Geist,
Ich bin der Funk‘ im Steine, der Goldblick im Metall.
Ich bin der Rausch, die Rebe, die Kelter und der Most,
Der Zecher und der Schenke, der Becher von Krystall.
Die Kerz‘, und der die Kerze umkreist, der Schmetterling;
Die Ros‘, und von der Rose berauscht, die Nachtigall.
Ich bin der Arzt, die Krankheit, das Gift und Gegengift,
Das Süße und das Bittre, der Honig und die Gall‘.
Ich bin der Krieg, der Friede, die Walstatt und der Sieg,
Die Stadt und ihr Beschirmer, der Stürmer und der Wall.
Ich bin der Kalk, die Kelle, der Meister und der Riß,
Der Grundstein und der Giebel, der Bau und sein Verfall.
Ich bin der Hirsch, der Löwe, das Lamm und auch der Wolf,
Ich bin der Hirt, der alle beschließt in einem Stall.
Ich bin der Wesen Kette, ich bin der Welten Ring,
Der Schöpfung Stufenleiter, das Steigen und der Fall.
Ich bin, was ist und nicht ist. Ich bin, o der du’s weißt,
Dschelaleddin, o sag es, ich bin die Seel‘ im All.

Aus den Ghaselen des Mewlana Dschelaleddin Rumi. (Übersetzt von Friedrich Rückert)

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