Mit unsren Gedanken erschaffen wir die Welt

“Im Gayan lesen wir, „Das Gegenwärtige ist die Widerspiegelung der Vergangenheit, und die Zukunft ist der Widerhall des Gegenwärtigen.“ Das Schicksal ist nicht etwas bereits Gemachtes; Schicksal ist, was wir machen. Fatalisten meinen sehr häufig, wir seien in den Händen des Schicksals und würden in unserem Leben nach dem Willen des Schicksals in irgendeine Richtung getrieben; tatsächlich aber sind wir die Meister/innen unseres Schicksals, besonders von dem Moment an, in dem uns diese Wahrheit bewusst wird. Eine bekannte Redewendung der Hindus bezeichnet die Schöpfung als Brahmas Traum; mit anderen Worten, alle Manifestationen ist der Traum des Schöpfers. Dem möchte ich gern hinzufügen, dass Schicksal die Verkörperung der menschlichen Gedanken bedeutet. Der Mensch ist für seinen Erfolg und Misserfolg, für seinen Aufstieg und Fall verantwortlich; er ist es, der dies bewusst oder unbewusst verursacht. (S. 40)”

― Hazrat Inayat Khan, Meisterschaft: Spirituelle Verwirklichung in dieser Welt

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Das Gesicht der Geliebten

Der Erleuchtete betrachtet alle Wesen als sein eigenes Selbst. Er sieht nur noch das eine Selbst und verehrt die Gegenwart des Heiligen und Göttlichen in allen Dingen. Seine Seele ist universal und allumfassend. Diese Schau muss unsre tägliche Übung sein bis die Religion das Leben und das Leben die Religion geworden ist. Im Koran heißt es „Wo auch immer du dich hinwendest, da ist Gottes Angesicht“. Das Gesicht der Geliebten ist allgegenwärtig. Die Geliebte ist das allumfassende All. Das Gesicht der Geliebten in allem sehen, alle Dinge sanft und zärtlich zu berühren, sodass jeder Augenblick ein heiliger Augenblick wird und unsre Beziehung zum Weltganzen eine Liebesbeziehung; das ist der Weg des Mystikers.

Gott ist. Hier und jetzt. In jedem Atemzug und Herzschlag. In den Worten, welche die Liebenden zueinander sprechen, und im Geheimnis der Stille, welches alle Worte unendlich übersteigt. Die Liebe der Sufis ist ekstatisch und erotisch, aber es ist eine heilige Erotik, wie sie in den Psalmen von König David zum Ausdruck kommt.